Chronik
der Schützengesellschaft Hausen in Wiesental
Die Chronik wurde aus Anlaß des "100-jährigen Bestehens" von Wolfram Müller verfasst.
Gründerjahr - 1914
Die Schützengesellschaft Hausen im Wiesental ist einer der ältesten Vereine im Hebeldorf. Ihre nunmehr 100 Jahre alte Geschichte ist ein Spiegelbild des Lebens und der wechselvollen Zeiten mit all ihren Höhe und Tiefen. Das heute noch vorhandene 1. Protokollbuch legt auf der Titelseite die Gründung des Vereines in den Mai 1885. An diesem Datum ist nicht zu zweifeln, wenn auch der erste Eintrag erst vom 26. Januar 1888 stammt. Zwei gewichtige Dokumente im Archiv der Gemeinde belegen die Gründung der Schützengesellschaft im Jahre 1885 und beweisen Aktivitäten vor dem Jahr 1888.
Das Großherzogliche Bezirksamt in Schopfheim hatte sich nämlich am 22. Juli 1885 mit dem Schützenverein Hausen zu beschäftigen. An diesem Tag entschied das Bezirksamt über ein "Gesuch des Schützenvereins Hausen um Erteilung der Erlaubnis zur Errichtung eines Schießstandes". Die Erlaubnis wurde "selbstverständlich nur widerruflich erteilt", falls sich "Mißstände" ergeben, würde sie wieder "zurückgenommen". "Nachricht hiervon erhält der Gemeinderath Hausen", so das von Herrn Föhrenbach unterzeichnete Schriftstück.
Im Grundbuch von Hausen ist unter dem 9. April 1887 vermerkt, daß ein Johann Friedrich WÜRGER, Witwer und Waldhüter in Hausen, "aus freie Hand" der Schützengesellschaft Hausen eine Liegenschaft von 26 ar 67 qm Ackerland im "Winkel" für 180 Mark verkauft. Der Verein besaß zu dieser Zeit schon keine Reichtümer, denn er konnte nur 146 Mark in bar bezahlen; 34 Mark waren ab 1. April 1887 mit 5% zu verzinsen. Die Eintragung schließt mit der Genehmigung des damaligen, langjährigen Bürgermeisters Roths und den Unterschriften der Gemeinderäte.
In der Generalversammlung vom 26. Januar 1888 beschloß die Schützengesellschaft, den § 9 der Statuten zu ändern und die Vorstandschaft von drei auf vier Mitglieder zu erweitern. Dies waren: Theodor HERBSTER, Hermann HENNES, Richard GREINER und J.J. SCHNEIDER. Es ist wahrscheinlich, daß diese vier Männer auch bei der Gründung des Vereins drei Jahre zuvor beteiligt waren. Die Generalversammlung erteilte den Auftrag, sich "wegen Anschaffung von Jaggen und Hüten" zu beraten und später zu beschließen.
Erste schießsportliche Aktivitäten fanden nachweisbar am 26. und 27. August 1888 statt, wo ein Grümpel- und Preisschießen angesetzt war. Jedes Mitglied spendete dafür eine Gabe, deren Wert nicht unter 3 Mark betragen durfte. Als Hauptpreis war schließlich ein Tafeltuch mit 12 Servietten, neben anderen Gegenständen wie Bierkrug, wollene Bettdecke, Bügeleisen, Brieftasche und Hosenträger, zu gewinnen.
Bereits 1889 er hält ein Wilhelm MONTIEGEL die Ehrenmitgliedschaft verliehen. In den folgenden Jahren treten etliche Schützen, auch auswärtige, der Hausener Gesellschaft bei, so daß bald ein reger Schießbetrieb in Gang kommt. Im selben Jahr, am 22. April 1889, erteilten die Mitglieder dem Vorstand den Auftrag, ein Grundstück von Friedrich DIEßLIN, im "Winkel", zu kaufen. 1890 erwarb man schließlich weiteres Land, so daß der Verein damals ein Grundstück von oberhalb der alten Straße nach Gresgen bis über die damalige Straße nach Enkenstein sein eigen nennen konnte.
Nach Krisen in der Vorstandschaft blühte der Verein ab 1906 neu auf; regelmäßige "Frei- und Grümpelschießen" und "Schießübungen" an jedem Sonntag in der Sommerzeit zeugen von beachtliche Aktivitäten. 1910 beschloß die Gesellschaft erstmals eine Schießordnung. Dem Ansinnen benachbarter Schützenvereine, im Jahre 1911, einen "Wiesentäler Gauverband" zu gründen, lehnten die Hausener Schützen "unter Darlegung der für die Gesellschaft maßgebenden Gründe" ab.
1913wurde dem langjährigen Oberschützenmeister und Mitbegründer der Schützengesellschaft, Theodor HERBSTER, die Ehrenmitgliedschaft übertragen. Im gleichen Jahr feierten die Schützen das 25jährige Vereinsjubiläum in bescheidenem Rahmen. 1910 hatte man es offenbar vergessen.
Der 1. Weltkrieg brachte das Sportschießen zum Erliegen. Zwar beschloß man noch am 15.11.1914, Geldspenden für "die in den Weltkrieg eingezogenen Mitglieder" in Höhe von 3 Mark je Mitglied aufzubringen, dann war aber aus verständlichen Gründen keine Zeit mehr für das Hobby.
1919 - 1943
am 2. Februar 1919 trafen sich 14 Mitglieder im Gasthaus "Zum Eisenwerk", um die 'Vereinsarbeit wieder neu zu beleben. Bauliche Aktivitäten - die in der Schützengesellschaft auch in der Zukunft ein Dauerthema sein werden, wie man lesen wird - zur Verbesserung des vorhandenen Schützenhauses und der Schießstände waren die ersten Beschlüsse nach dem 1.Weltkrieg. Finanzielle Probleme des Vereins überbrückte man durch den Verkauf oder die Versteigerung von Holz aus dem eigenen Wald. Die Mittel reichten jedoch nicht aus, so daß die Mitgliederversammlung am 31.08.1919 beschloß, "ein Kapital von 400 Mark" für die fehlenden Unkosten der neu hergerichteten Scheibenstände aufzunehmen. Das Kapital wurde vom Mitglied, Herrn Fabrikant Alfred VORTISCH, zur Verfügung gestellt.
Am 21. und 28. September 1919 fand dann ein gut besuchtes Preisschießen mit 5 Schützengesellschaften aus der näheren Umgebung statt, wie der Chronist vermerkte.
Gustav JOST, H. MONTIEGEL, J. HUG und Th. SCHLEITH waren die Männer, die den Verein zu neuem Leben erweckten. Die Gesellschaft bemühte sich auch um den Nachwuchs, denn am 30. April 1922 beschloß man, "einen Flobertstand" für die Jugend zu errichten. Zu dieser Zeit fand auch das Zimmerstutzenschießen großen Anklang. In der 20er Jahren arbeiteten die Mitglieder immer wieder an ihrem Schützenhaus. 1927 waren die Umbauarbeiten abgeschlossen. Für Schießübungen auf lange Distanzen mußte man jedoch aus Sicherheitsgründen die Straße nach Gresgen sperren.
Zur Eröffnung des erweiterten Schützenhauses fand im Mai 1925 ein Schießen des "Wiesentäler Gauschützen-Verbandes" Statt. Die Kosten für den Umbau hatte man durch Spenden von Mitgliedern und Geschäftsleuten auf ein geringes Maß drücken können.
1929 nahm die Gesellschaft nach langer Zeit erstmals wieder an Meisterschaftskämpfen teil. Im gleichen Jahr erfolgte die Vereinseintragung der Gesellschaft beim Bezirksamt Schopfheim; dafür mußten neue Statuten geschaffen werden.
Ein Eröffnungsschießen im Mai und ein Endschießen im Oktober umrahmten die Saison der Schützen auf ihrem Gelände. Um die Winterszeit, bei der ein Schießbetrieb nicht möglich war, zu überbrücken, fand das Zimmerstutzenschießen in der Kegelbahn des Gasthauses "Zum Eisenwerk" statt.
Sicherheitsbestimmungen, die früher großzügig gehandhabt wurden, fanden erstmals 1930 ihren Niederschlag. Durch Verfügung des Bezirksamtes Schopfheim vom 28.02.1930 mußten während des Schießens die Absperrmaßnahmen der Straße verbessert werden. U.a. war verordnet: "An den bisherigen Sperrstellen soll statt einem Draht oder Seil, eine weiß gestrichene Stange über den Weg in der bisherigen Höhe angebracht und daran eine Tafel, weiß gestrichen mit rotem Rand, und schwarzer Aufschrift: Achtung, Schießübung! Darunter die Bemerkung: Wenn Durchfahrt gewünscht, rufen!"
Ab 1930 fuhren Hausener Schützen zu Wettkämpfen in die nähere Umgebung, wo sie sich auch, so in Wehr und in Steinen, in die Siegerliste eintragen konnten,. Eine Blütezeit des Vereins begann. Insbesondere im Kleinkaliberschießen beteiligte sich der Verein erfolgreich an vielen Wettkämpfen.
Im April 1933 erwarb die Gesellschaft erneut ein Grundstück von 853 qm zur Abrundung des Geländes. Dafür gab man ein kleineres Grundstück unterhalb der Kreisstraße in Zahlung. Am 17.04.1933 hatten die Hausener Schützen erstmals Gelegenheit, den von 35 m auf 50 m verlängerten Kleinkaliberschießstand zu benützen.
Das Dritte Reich machte nun auch vor der Schützengesellschaft in Hausen nicht halt. Am 9. September 1933 mußten die Statuten im "Sinne der Gleichschaltung" geändert werden. Trotz politischen Drucks war auch in den folgenden Jahren das sportliche Schießen Schwerpunkt der Vereinsarbeit.
1935 mußte eine erneute Satzungsänderung vorgenommen werden, da die bisherigen Schützenverbände von oben vereint wurden und nun Musterstatuten des "Reichsverbandes für Leibesübungen'" zu gelten hatten. An nationalen Feiertagen hatten die Schützen mitzuwirken, sie leisteten durch Schießveranstaltungen Beiträge zum Winterhilfswerk.
Das 50jährige Vereinsjubiläum feierte die Schützengesellschaft erst am 07. und 14.06.1936, obwohl 1935 der Badische Schützenbund bereits Jubiläumsgaben überreicht hatte. Während dieser Festtage fand ein Kreisschießen und eine Feier in der damals neuen Festhalle statt.
Nach Beginn des 2. Weltkrieges durfte die Schützengesellschaft weiterhin ihrem Hobby frönen, wenn auch das Schießen nun "im Dienste des Vaterlandes" zu sehen war, so aus einer Versammlung im damaligen Vereinslokal "Zum Herbstergarten". Am 20.05.43 endet vorläufig die Geschichte der Schützengesellschaft. Die Besetzung von Hausen 1945 führte gleichzeitig - wie damals üblich - zur Beschlagnahme des Inventars.
1950 - 1986
Am 7. Oktober 1950 fanden sich im Gasthaus "Zum Eisenwerk" begeisterte Schützen zur Wiedergründung des Vereins ein. Unter der Leitung von Eugen HUG zeichneten für die Vereinsgründung: Karl KIEFER, Forstwart, Max SCHNEIDER, Metzgermeister, Emil TREFZGER, Maler, Emil ARZET, Landwirt, Ernst SCHNEIDER, Landwirt, Julius BEHRINGER, Ingenieur und Anton DOMASCHITSCH. Am 28.08.1951 erhielt der Verein die beschlagnahmten Grundstücke und das Schützenhaus zurück. Bei der Neugründung des Südbadischen Sportschützenverbandes am 27.01.1952 fuhr eine vierköpfige Delegation aus Hausen nach Donaueschingen.
Bereits 1953 befaßte sich der Verein mit dem Neubau eines Schützenhauses. Schießsportliche Aktivitäten waren zu dieser Zeit noch rar. 1955 erhielt die Gesellschaft die Baugenehmigung für den "bereits getätigten Bau". Bereits zu dieser Zeit warteten die Schützen auf die Genehmigung zum Erweiterungsbau. Jahre zogen ins Land, bevor dann 1962 - 1963 der Neubau eines Schützenhauses in Angriff genommen wurde. Voran ging ein Geländetausch mit der Gemeinde. Dabei erhielt der Verein den "Schützenwinkel", einen idealen Standort in einem abgelegenen Seitental oberhalb der neuen Straße nach Gresgen. Dort ist auch heute noch das Schützenhaus und die derzeitige Schießanlage. Ende 1964 war das neue Schützenhaus fertig. Die Schützengesellschaft, dei seit ihrer Gründung nie mit finanziellen Mitteln gesegnet war, führte nun wieder einen geregelten Schießbetrieb durch. Eine Mannschaft nahm in den folgenden Jahren regelmäßig an Rundenwettkämpfen im Luftgewehr- und Kleinkaliberschießen teil, bevor verschärfte Sicherheitsbestimmungen der Behörden 1981 zur Schließung der Schießanlage führten.
Die Schützen resignierten auch diesmal nicht und nahmen - trotz hoher Kosten und viel Eigenarbeit - die neue Aufgabe in Angriff, um ihrem Sport zu fröhnen. In einer fünfjährigen Phase wurden nicht nur die Sicherheitsvorschriften erfüllt, man verbesserte zugleich die Innenausstattung des Schützenhauses durch Umplanung und Umbauten erheblich, so daß Gründe genug vorhanden sind, den 100jährigen Geburtstag nachträglich würdig zu feiern.
So, das war`s nun bis 1986. Bei weiterhin so vielen verregneten Sonntagen wird hier doch hoffentlich bald noch mehr über unseren Verein zu lesen sein.